An Tagen wie heute fühle ich mich oft wie ein Wolf im Schafspelz.
Ich bin ein Wolf, denn so steht es in jedem offiziellen Papier und in der Schweiz oder wohl sogar in der kompletten westlichen Welt (a.k.a. verbürokratisierten Welt) gilt nur was auf dem Papier steht. Daher kann ich noch soviele Schafspelze ausprobieren, irgendwann werde ich doch wieder als Wolf beschimpft und rausgeworfen, gemieden, gemobt oder ähnliches. Ich will auch kein Schaf sein, ich bin es nun einmal. Doch das ist egal. Wolf bleibt Wolf, selbst wenn man ein Schaf ist. Manche denken wohl sogar, ich will nur Schaf sein, um mich besser an die anderen Schafe ranzumachen, dass dies das absolut letzte ist, was mir dabei in den Sinn käme, ist irrelevant. Denn Wölfe in Schafspelzen lügen eh.
Dabei musste ich mich heute gerade wieder schären. Denn ich versuche nicht, einen Schafspelz über mich zu ziehen, sondern einen Pelz loszuwerden. Körperbehaarung ist etwas übles und in meinem Fall weiss ich, dass dies nicht nur aus ästhethischer Sicht der Fall ist, sondern effektiv auch vom Körpergefühl her kommt.
Ich bin mit meiner Körperbehaarung enorm gestraft und dies über die üblichen Masse hinaus, bei Frauen wird dies als Hirsutismus bezeichnet. Das Bild auf Wikipedia ist in meinem Fall noch fast harmlos, aber selbst diese Variante ist unschön und würde mich übermässig stören.
Meine Bodymap gibt mir nun einmal vor, wie mein Körper ungefähr beschaffen sein müsste. Die meisten Menschen bemerken ihre Bodymap nicht, da grundsätzlich Karte und Realität übereinstimmen, wobei es dennoch hie und da Kleinigkeiten geben kann, die differieren. In meinem Fall ist es viel und auch die Körperbehaarung ist davon betroffen.
Wenn ich regelmässig mit dem Silk épil arbeite, dann habe ich irgendwann zwar auch wieder Haare, denn ausreissen ist nicht dauerhaft, aber es ist anfangs so weit verteilt, dass es nicht gross stört, obwohl es bereits sichtbar ist. Ich schätze daher, dass ich (von meiner natürlichen Behaarung aus gesehen) mit rund 10% ganz gut leben könnte - sofern es sich gleichzeitig auch auf die üblichen Behaarungszonen beschränkt - ohne gleich depressiv zu werden.
Doch leider ist dem nicht so und ja, selbst wenn, würde ich diesen Rest wohl aus asthethischen Gründen auch öfters mal wegmachen. Aber es ist doch ein grosser Unterschied, ob aus ästhethischen Gründen oder weil das ganze innere nur so danach schreit, dass es falsch ist. Und wie in dem Wikipedia-Artikel steht, liegt die Bodymap-Differenz wohl daran, dass es eben die falsche Art Haare ist. Schön lange und schwarze, dicke Haare und nicht feine flauschige Haare, die ich vielleicht sogar als angenehm empfände.
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