Hier ist er wieder, mein Blog.
Ich löschte ihn vor einiger Zeit bereits, weil ich mich verändert habe, seit ich ihn begann. Ich befand irgendwann, dass er zuviele intime Details über mich enthält, zwar habe ich grundsätzlich nichts dagegen, wenn das jemand weiss. Allerdings gibt es auch Menschen, die solche Infos ausnutzen und dies wollte ich dadurch verhindern.
Zwar muss auch ich davon ausgehen, dass die von mir einst geschriebenen Dinge noch irgendwo im Internet rumfliegen, dennoch wollte ich das mir Mögliche tun und löschte alles. Nichts davon habe ich irgendwo für mich gespeichert. Dies auch darum, weil ich mich in den vergangenen zwei Jahren doch sehr veränderte.
Dennoch will ich hier die letzten zwei Jahre kurz zusammenfassen, damit neue Leserinnen nicht einfach ratlos dastehen und sich fragen, worauf ich denn nun anspiele.
1981
Wurde ich geboren und dank gewisser Körpermerkmale als männlich eingestuft, obschon es wohl damals schon gewisse Uneindeutigkeiten gab.
1997
Mein erster "Outing-Versuch" gegenüber meiner Mutter, dass ich mich als Frau sehe. Ging ordentlich schief und ich hielt ab da meine Klappe und zwang mich zu einem (Un-)Leben als Mann.
2007
Wurde mir dank einer guten Freundin bewusst, wer ich wirklich bin und dass mein bisheriges Leben hauptsächlich aus Lügen - insbesondere gegen mich selbst - bestand. Ich startete damals meinen Weg zu mir selbst und dies sah damals nach einem sogenannten Geschlechtswechsel aus. Allerdings behielt ich es noch mehrheitlich für mich und weihte nur die engsten Freunde und Familienmitglieder ein.
2008
In diesem Jahr begann ich meine Psychotherapie und auch meine ersten Schritte als Frau, leider muss ich im nachhinein eingestehen, ich sah furchtbar aus. Allerdings, welches Mädchen, zu Beginn ihrer Pubertät, hat auf Anhieb ihren Stil gefunden? Wohl kaum eine, ich auf jeden Fall nicht und so lief ich immer etwas "bunt" durch die Welt. Aber ich war glücklich, denn ich fühlte mich befreit von den Zwängen, die mir die Gesellschaft aufzwängte.
Gegen Ende diesen Jahres erfuhr ich auch, dass meine hormonelle Situation gewisse Zweifel an meiner geschlechtlichen Eindeutigkeit erzeugte. Eine offizielle Hormontherapie wurde mir jedoch verweigert.
2009
Ich erlag lange erneuter Selbstzweifel, ob ich denn nun eine Frau oder ein Mann sei, da die Indizien auf Intersexualtität stetig mehr wurden und darum zweifelte ich an nahezu allem, denn wenn ich IS bin, sollte ich doch eher auf diesem Weg gehen und nicht einem Weg, der den eindeutigen Menschen "zusteht". Aber letztlich überwand ich diese Zweifel, da ich - auch dank viel Hilfe von Freunden - erkannte, dass meine EIGENE Einschätzung letztendlich relevant ist und nicht erneut diejenige, welche von Fremden erstellt wurde, wie Anno '81 von einer Hebamme oder Arzt, der mal eben guggte, ob da Penis oder Vulva "eingraviert" ist.
Ebenfalls fing ich bereits zu Beginn diesen Jahres an, intensiv über Hormone zu lesen und ich wurde auch mit einer Online-Selbsthilfegruppe bekannt gemacht, die es sich zum Ziel machte, eine andere (vorallem gesündere) Art der Hormontherapie zu entwickeln. Mit all diesem Wissen, welches ich nun besass, wagte ich es Anfang Juli bei einer empfohlenen Online-Apotheke die entsprechenden Präparate zu bestellen, doch als ich die Lieferung dann erhielt, dauerte es noch gute zwei Tage, ehe ich mich traute, die Hormonpflaster und -kapseln zu benutzen. Doch bereits ein paar Tage später fühlte ich mich wie neu geboren, absolut super ging es mir. Insbesondere Psychisch ging es mir sehr gut.
Ich vergleiche es seither ganz lapidar mit dem Benziner der es irgendwie schaffte jahrelang mit Diesel zu funktionieren, aber nun endlich Benzin bekam und seine Leistung wuchs scheinbar ins Unermessliche. Mir ist klar, dass der Vergleich massiv hinkt, aber ich hab mir auch nie die Mühe gemacht, einen Besseren zu finden. Ich hab wichtigeres zu tun.
Wie dem auch sei, es ging mir ab da sehr viel besser. Obschon nun eine Art Pubertät begann, deren zukünftige Auswirkungen mir damals noch grossteils unklar waren. Über die körperlichen Veränderungen war ich mir natürlich bewusst, aber eine Pubertät ist und bleibt eine recht komplizierte Angelegenheit, selbst wenn mensch bereits älter als 25 ist.
2010
War ein sehr aufregendes Jahr. Ich war das erste mal als mich selbst in einen anderen Menschen verknallt und ich kuschelte zum allerersten Mal. Allerdings wurde nie wirklich was daraus. Doch einige Wochen später gab es eine andere Person, die ich liebte und die mich liebte. Mein "Erstes Mal" war alsbald Geschichte und es schien ganz gut zu laufen und dennoch war ich mir unsicher, da es doch einige Probleme gab, für die keiner was konnte, die jedoch das ganze letztlich auch wieder zu einem recht raschen Ende führte.
Zeitgleich mit dem auf's Ende zurasen der einen Beziehung, bekam ich eine Liebeserklärung einer anderen Person. Das war überwältigend und ja, die eine Geschichte war dann endgültig zu Ende. Ich stürzte mich daher ziemlich naiv in die nächste. Wobei ich ernsthaft daran glaubte, da ich diese Person schon länger kannte, hauptsächlich via chats, aber doch auch schon real kennengelernt hatte - an Silvester 2009. Des Weiteren fanden sie und ich, es sei achso gar Schicksalshaft wie wir zusammen kamen und so kam es, dass ich mein Herz ganz öffnete. Was leider ein Fehler war, wie sich drei Monate später endgültig zeigen sollte. Wäre ich nicht mit rosa Brille bestückt gewesen, so hätte ich die Anzeichen sicher viel früher wahrgenommen und/oder hätte diese nicht verdrängt.
Nun ja, so begann dann mitte Oktober - während des gemeinsamen Thailand-Urlaubs - der Liebeskummer, als wir endgültig einsahen, dass wir keine weitere gemeinsame Zukunft haben würden. Ich durfte dann noch rund vier Wochen das Zimmer mit der Person teilen, die mein Herz zerstörte. Es war brutal.
Als ich dann wieder zuhause war und inzwischen auch noch der Winter hereinbrach, da fiel ich in eine sehr tiefe Depression, welche dazu führte, dass ich alle anderen kleinen bis kleinsten negativen Dinge extrem aufbauschte und mich so beinahe komplett vernichtet hätte.
Ich hatte einige Male Selbstmordgedanken, aber dank guter Freunde und meiner guten Eigen-Psychotherapie, entging ich dem.
2011
Irgendwann im Februar oder März erwählte ich den 3. Juli als meinen Todestag. Zum Glück war ich so intelligent, um mich selber einerseits auf diese Weise aufzumuntern* und andererseits mir noch Zeit einzuräumen.
*Es war befreiend, ich hatte wieder ein Ziel vor Augen und unabhängig von der Art dieses Ziels, war es genau das, was ich brauchte, insbesondere deswegen, weil es ein Ziel war, dass ich letztlich wohl auch erreicht haben könnte.
Ich hatte also mir, meiner Umgebung und letztlich der ganzen Welt Zeit verschafft, um mich zu erholen, um mir zu zeigen, dass das Leben - selbst nach dieser Sache - noch Lebenswert ist. Ich habe meinen Liebeskummer - so glaube ich - letztendlich im April grösstenteils überwunden und im Juni *glaub* besuchte ich meine Exfreundin, um noch ein paar liegengebliebene Sachen abzuholen. Ich lebe noch, was mir auch wieder zeigt, dass ich doch ganz schön stark sein kann.
Allerdings konnte und kann ich meinem Wunsch nicht nachkommen. Es gab eine - wohl sehr naive - Zeit, da nahm ich mir vor, wenn ich denn mal Exfreundinnen hätte, dass ich mit allen noch befreundet bin. Das geht leider nicht. Zuviel Schmerz habe ich erlitten, als dass ich noch Lust hätte, mit dieser Person Kontakt zu haben.
Aber nun zu wirklich positivem :)
Ich habe seit April einen Teilzeitjob, den ersten seit ich Anno 2007 meinen Job aufgab, um wieder die Schulbank zu drücken. Auch dies hat mir geholfen, die Depression abzuwenden, denn ich fühlte mich endlich wieder gebraucht, selbst wenn es nicht annähernd ein Job ist, der meinem eigentlichen Beruf entspricht. Ich bin schon froh, mich mal wieder nützlich zu fühlen.
Das Unnütz-Fühlen hat nämlich auch sehr viel zur Depression beigetragen.
Ausserdem feiere ich ja nun bald, also am 30. Juli, mein zweijähriges Jubiläum.
Zwei Jahre Hormone! :-)
Und ich kann mich vieler positiver Entwicklungen erfreuen, allen voran einem wunderbaren Brustwachstum. Allerdings will so manch anderes, was ich mir durch die Hormone erhoffte, leider nicht so recht vorwärts gehen. Hier muss ich wohl noch einiges mehr an Geduld aufbringen und selbst das erwähnte Brustwachstum darf ruhig noch weiter gehen ;-)
Nun, ich denke, ich habe jetzt die wichtigsten Punkte (nochmal) zusammengefasst und ich werde nun sicherlich wieder öfter was schreiben, ist Schreiben doch ein sehr schönes Ventil.
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